MaK 800D – OHE 800 011
Aufbauend auf den
Wehrmacht-Loktypen, deren Bau in verbesserter Form nach dem Krieg
fortgesetzt wurde,
entwickelte die Maschinenbau Kiel AG (MaK) ein Baukastensystem für
Stangendiesellokomotiven im
Leistungsbereich von 240 bis 1200PS mit zwei bis vier angetriebenen Achsen.
Als Antrieb verwendete die MaK
wiederum langsamlaufende, robuste Motoren aus eigener Entwicklung, die durch
Druckluft gestartet wurden. Die
Kraftübertragung über ein hydraulisches Voith-Getriebe in Verbindung mit
einem Stufen- und Wendegetriebe
wurde in verbesserter Form ebenso beibehalten. Die vorrangig für den
Streckendienst konzipierten Lok ab 600PS
waren durchweg vierachsig ausgeführt, wobei zur Erzielung eines guten
Kurvenlauf sogenannte Beugniot-Gestelle
verwendet wurden. Zudem verfügten diese Lok über eine Wagenzug-Dampfheizung.
Charakteristisch für ihr
äußeres Erscheinungsbild war das aufgesetzte Führerhaus in Form einer
Glaskanzel, das insbesondere ohne die
Sonnenblenden den Lokomotiven den Beinamen „Glatzköpfe“ einbrachte. Der
Erfolg der Typenreihe spiegelt sich
im Absatz zwischen 1953 und 1965 wieder. Weit über hundert Lok gingen an
deutsche Privat- und Werkbahnen.
Die Deutsche Bundesbahn beschaffte 15 Lok der 650PS-Variante und reihte sie
als Baureihe V65 ein. Weiterhin
gingen Exportlok nach Dänemark, Schweden, in die Türkei und nach Luxemburg,
eine Breitspurlok nach Irland und
eine Serie kapspuriger Lok nach Südafrika. Großserien mit 76 Lok lieferte
die MaK nach Kuba und weitere 66
Lok an die Schwedische Staatsbahn.
Die Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE), die 1944 durch den Zusammenschluß
von sieben Kleinbahnen
entstanden, erhielten werksneu insgesamt zehn Stück dieser Loktype. Unsere
Lok war eine von zwei 800PS-Lok
der OHE und erhielt die Bezeichnung 800 011. Nach der Einstellung des
planmäßigen Personenverkehrs 1977
wurde die Lok noch im Güterverkehr verwendet und dabei sehr beansprucht. Die
Schwesterlok 800 012 verkaufte
die OHE 1980 nach Italien. Die losen Radreifen der 800 011 verhinderten den
Verkauf. Sie blieb abgestellt und
kam später in den Besitz eines Hamburger Modellbahnhändlers. Bei der
Versteigerung dessen Firmenvermögens
konnte im November 2002 die Lok für das SEH erstanden werden. Das
Eisenbahnausbesserungswerk der OHE
in Bleckede wurde mit der Ausführung der Hauptuntersuchung beauftragt, die
im März 2004 zum Abschluß kam.
Ihren ersten Einsatz hatte die Lok zugleich mit ihrer Überführung nach
Heilbronn, bei der sie einige neu erworbene
Fahrzeuge von verschiedenen Standorten mit nach Heilbronn nahm. Hier wurde
die noch fehlende äußerliche
Aufarbeitung und der Einbau von Indusi und Zugbahnfunk ausgeführt. Danach
stand sie uneingeschränkt für
Zugleistungen zur Verfügung. Zur Ausbildung museumseigener
Triebfahrzeugführer mußte ein Einsatzgebiet
gefunden werden, bei dem durch regelmäßige Fahrten eine zeitnahe
Absolvierung der notwendigen
Belehrungsfahrten möglich wurde. Mit den wöchentlichen Transporten der zum
Zementwerk Geseke bei Lippstadt
wurde ein solcher Einsatz gefunden und von Ende 2005 bis Ende 2007
Mitarbeiter ausgebildet. Nach erneuter
Aufarbeitung im OHE-Werk Bleckede und anschließender optischer Aufarbeitung
in eigener Werkstatt wird 800
011 endgültig betriebsfähige Museumslok. (JB)
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