44 1378 Bald nach ihrer Gründung sah die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft sich vor immer weiter wachsende Zuglasten im Güterzugverkehr gestellt, die mit den Länderbahntypen nicht mehr problemlos zu bewältigen waren. Im Typenprogramm des Vereinheitlichungsbüros von 1925 fanden sich zwei Entwürfe einer schweren 1’E-Güterzuglokomotive, eine als Zweizylindermaschine und eine als Dreizylindermaschine. Man entschied sich zunächst zur Beschaffung von jeweils zehn Vorserienmaschinen, die in den Jahren 1926/27 als Baureihe 43 (Zwilling) und Baureihe 44 (Drilling) ausgeliefert und sogleich eingehenden Überprüfungen unterzogen wurden. Bei diesen zeigte sich die Baureihe 43 zunächst, vor allem was die Wirtschaftlichkeit anging, als die überlegene Maschine, so dass man entschied, weitere 25 Serienmaschinen zu beschaffen. Zu Beginn der 30er Jahre stiegen dann jedoch die Zuglasten und Durchschnittsgeschwindigkeiten auf Grund der überwundenen Weltwirtschaftskrise dermaßen an, dass die Baureihe 44 sich auf Grund der höheren Leistungsfähigkeit des Dreizylindertriebwerks doch als die bessere Lösung zeigte. 1936 wurden deshalb weitere 52 Maschinen (44 013-065) in Auftrag gegeben, die dann in den Jahren 1936/37 abgeliefert wurden. Da die Baureihe sich einwandfrei bewährte, wurde ab 1938 die so genannte Großserie in Auftrag gegeben, deren Produktion bis 1943 andauerte und der auch unsere 44 1378 angehört. Auf Grund des Krieges wurde die Konstruktion der Baureihe 44 ab 1939 ständig vereinfacht, um den Materialaufwand zu verringern und gleichzeitig die Produktionszahlen zu erhöhen. Nach der Befreiung Frankreichs wurden in den dortigen Werken noch bis 1946 226 Exemplare für die Französische Staatsbahn gebaut, die sie bis 1965 als Baureihe 150X einsetzte. 1948/49 wurden dann schließlich bei den Volkseigenen Werken Hans Beimler in Henningsdorf (DDR) aus vorhandenen Teilen nochmals zehn Exemplare gebaut. Letzten Endes brachte es die Baureihe 44 auf die stattliche Anzahl von 1989 Exemplaren und ist mit einem Beschaffungszeitraum von 22 Jahren der am längsten beschaffte Loktyp in der Geschichte der deutschen Eisenbahnen. Das Bw Heilbronn verfügte nur von 1944 bis 1952 über eigene 44, ansonsten war es aber Wende-Bw für die Lokomotiven aus Kornwestheim, Crailsheim, Mannheim und Nürnberg, so dass man die 44 durchaus als eine für Heilbronn typische Lokomotive bezeichnen kann. Bei der DB im Westen hielt sich die Baureihe 44 bis zum 26.10.1977, sie war zuletzt die einzige bei der DB eingesetzte Dampflokbaureihe, ein weiterer Beweis für ihre Leistungsfähigkeit. Bei der DR im Osten war die Baureihe 44 bis 1982 im Zugdienst anzutreffen, dann endete ihre Karriere abrupt durch die Ölkrise (alle zu diesem Zeitpunkt bei der DR eingesetzten 44 waren ölgefeuert), fortan war sie noch bis nach der Wende wieder auf Rostfeuerung zurückgebaut als Heizlok oder Dampfspender anzutreffen. „Der dritte Zylinder ist der, der die Lok stark macht, den Heizer müde und den Fan süchtig“, ein Satz, der gerade auf die Baureihe 44 zutrifft. Nicht zuletzt durch das Dreizylindertriebwerk war die 44 in der Lage, z.B. bis zu 2500 t Zuglast in der Ebene mit 55 km/h zu befördern und stand mit ihrer Zugkraft praktisch unangefochten an der Spitze der deutschen Dampflokomotiven. Diese Zugkraft hatte ihren Preis in der enormen Belastung des Heizers, vor allem, wenn nur minderwertige Kohle zur Verfügung stand.So mancher Heizer wurde wohl auf der 44 verschlissen und wohl nicht ganz zu Unrecht trug sie den Namen „Heizermörder“, doch es gab auch Heizer, die sie mochten. So zog sie mancher der deutlich pflegeleichteren Baureihe 50 vor, da durch die einwandfreie Laufruhe des Dreizylindertriebwerks z.B. die Sprudelflasche nicht umfiel. Egal ob sie beim Personal beliebt war oder nicht, die Eisenbahnfreunde liebten die 44, glich ihr Auspuffschlag bei entsprechender Anhängelast doch schon aus der Ferne Donnergrollen und verstärkte sich beim Näherkommen zu einem wahren Inferno, z.B. wenn sie sich von Heilbronn her kommend die Steigung bei Weinsberg hochquälte oder natürlich wenn sie zusammen mit einer weiteren Maschine den berühmten „Langen Heinrich“, einen 4000 t schweren Erzzug, aus dem Emdener Bahnhof beschleunigte. 44 1378 wurde am 21.10.1942 von der Firma Krupp in Essen unter der Fabriknummer 2800 an die deutsche Reichsbahn ausgeliefert, von dieser am 24.10.1942 abgenommen und beim Bw Wels (Rbd Linz) beheimatet. Nach einem kurzen Gastspiel in Kornwestheim 1944, bei dem sie wohl auch einmal Heilbronn erreicht haben dürfte, kam die Lokomotive nach Gerstungen, wo sie nach Kriegsende verblieb und somit Bestandteil des Lokomotivparks der sowjetischen Besatzungszone wurde. Am 09.08.1945 wurde sie in die Lokkolonne 2 beim Bw Berlin-Karlshorst eingegliedert, um Demontagezüge für die sowjetischen Besatzer zu bespannen. Nach einer Umstationierung nach Gera wurde 44 1378 schließlich am 20.09.1948 aus der Lokkolonne ausgegliedert und verblieb, nun im Besitz der Deutschen Reichsbahn (Ost), bis zum 16.02.1950 beim Bw Gera, tags darauf wurde sie zum Bw Nordhausen umbeheimatet, bei dem sie bis zum 19.05.1965 verblieb. Nach einem Aufenthalt im RAW Mei-ningen ging sie am 01.07.1965, nun mit Ölhauptfeuerung ausgerüstet, beim Bw Sangerhausen wieder in Betrieb, bei dem sie bis zum19.09.1982 verblieb. Nach einem Aufenthalt in Meiningen, bei dem sie auf Rostfeuerung zurückgebaut und für den Dienst als Heizlok vorbereitet wurde, kam 44 1378 am 12.11.1982 zum Bw Saalfeld, wo sie fortan z.B. für warmes Wasser in den Duschen sorgte oder Züge vorheizte. Anlässlich eines Aufenthalts in Meiningen 1988 wurde das mittlere Triebwerk stillgelegt, da es für den Einsatz als Heizlok nicht benötigt wurde. Danach war die Lok noch bis zum 29.04.1989 beim Bw Saalfeld stationiert, dann wechselte sie zum Bw Nordhausen, wo sie am 20.07.1991 ihre aktive Karriere beendete. Eine gewisse Berühmtheit erreichte 44 1378 durch ihre Teilnahme an den Jubiläumsparaden in Riesa 1989, bei denen sie die kalte 52 4900 und einige Güterwagen zog sowie durch ihre Teilnahme an den Dreharbeiten zur „Jumbo-Saga“ des „Rio Grande“ - Filmverlags. Hier ist ihr sogar ein eigener Film gewidmet „44 1378 – Das großes Finale am Singener Berg“, auch wenn sie hier nur eine Nebenrolle spielt. Nachdem sie bei der DR ausgemustert worden war wurde 44 1378 zusammen mit mehreren weiteren Lokomotiven von einem westdeutschen Eisenbahnfreund erworben und im Bw Stassfurt hinterstellt, wo sie bis zu ihrem Verkauf an Mitglieder des SEH im Sommer 1999 verblieb. Nach ihrer Überführung nach Heilbronn zusammen mit dem Dampfspender 44 1489 wurde 44 1378 zunächst auf einem Gleis der Heilbronner Hafenbahn hinterstellt, wo auch ihre museale Aufarbeitung begonnen wurde. Nach Bezug des Bw Heilbronn im Jahre 2000 konnte die Aufarbeitung der Lok dann richtig beginnen, so erhielt sie zum Beispiel Wagner-Windleitbleche, um sie zumindest auf den ersten Blick in den Zustand der 30er Jahre zu versetzen. Noch ist die Aufarbeitung nicht abgeschlossen, aber 44 1378 zeigt sich wieder in einem vorzeigbaren Zustand, der sich ständig, wenn auch nicht immer sichtbar, verbessert. |