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Der ABB „Alt 674“
der KPEV nach Musterblatt Ib1
Ab 1890 wurden in Preußen vierachsige Abteilwagen beschafft. Ursprünglich
waren diese Wagen für Schnellzüge
gedacht, gelangten aber mit der Beschaffung von Durchgangswagen in den Eil-
und Personenzugdienst. In
unterschiedlichen Bauarten entstanden zunächst etwa 1600 Wagen, weitere
kamen durch Verstaatlichung von
Privatbahnen hinzu. In den ab 1904 neu erschienenen Musterblättern wurden
auch die vierachsigen Abteilwagen
unter den Zeichnungen Ib1 bis Ib4 in vier Hauptbauarten (ABB, ABCC, BCC; CC)
erfaßt. Den CC nach Zeichnung
Ib4 unterschied man nach Verwendung anderer Drehgestelle als Ib4a und nach
Änderung der Innenaufteilung als
Ib4b. In dieser modernen Bauform entstanden bis 1920 etwa 1800 Wagen,
ergänzt 1919-20 durch weitere 126 B
und C-Wagen mit etwas vergrößerter Wagenlänge. Im Unterschied zu den zu
gleicher Zeit in einer Stückzahl von
etwa 27500 Wagen beschafften zwei- und dreiachsigen Abteilwagen kam bei den
vierachsigen Abteilwagen die vierte
Klasse nicht zur Anwendung.
Ganze vier Wagen dieser Bauart, zwei ABB und je ein ABCC und CC, sind
erhalten geblieben. Das SEH konnte
2003 den ABB nach Musterblatt Ib1 erwerben. Diese rund 350 zwischen 1903 und
1907 entstandenen Wagen habe
eine Länge von 18,73m, verfügen über 6 ½ Abteile mit 10/31 Sitzplätzen der
1. und 2. Wagenklasse und drei
Aborten. Unser Wagen wurde 1905 von der Breslauer Wagenbau AG geliefert und
erhielt die Betriebsnummer 674
der Königlichen Eisenbahn-Direktion Altona. Knapp vierzig Jahre blieb der
Wagen in Norddeutschland im Einsatz.
Die Deutsche Reichsbahn bezeichnete den Wagen zunächst als AB4 „60069
Altona“ und später als „20 791
Hamburg“. Eine letzte Untersuchung ist für 1943 bekannt. Vermutlich als
Schadwagen blieb der Wagen ab 1944
abgestellt, wurde 1948 offiziell ausgemustert und 1949 an einen Privatmann
verkauft. Dieser nutzte den
Wagenkasten bis 1978 in Oker/Harz als Wohnung. Bereits 1976 entdeckten ihn
Mitarbeiter des Hamburger
Eisenbahnmuseums. Nach der Rückholung wurde der „Altona 674“ wieder
lauffähig hergerichtet und Maßnahmen
zur Konservierung getroffen. Langfristig sollte der Wagen als fahrbares
Ausstellungsobjekt restauriert werden. Die
Bemühungen zerschlugen durch den Brand des Museums, bei dem der Wagen
allerdings keinen Schaden nahm.
Ein neuer Eigentümer führte zu keinem Standortwechsel. Gerade noch
rechtzeitig konnte der Wagen für das SEH
erworben werden. Die Überführung ging zunächst nach Lüneburg. Hier wurde,
nahezu unglaublich, durch einen
selbsternannten SEH-Vorstand eine Verschrottung in Auftrag gegeben. Die
Eisenbahnfreunde vor Ort suchten zum
Glück noch mal das Gespräch mit uns und so kam der Schwindel raus. Im Juni
2004 schließlich traf der „Altona 674“
in Heilbronn ein. Mittlerweile konnten Originaldrehgestelle, die fehlende
Bremsanlage und verschiedene
Ausrüstungsgegenstände beschafft werden, so daß eine Reaktivierung näher
gerückt ist. Zusammen mit den
anderen vierachsigen Länderbahnwagen wird er eines Tages im originalen
Länderbahnzustand ein Schmuckstück
im Zugverband hinter der P8 sein. (JB)
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