Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn

Die württembergische T3 Nr. 888

 

Die Württembergischen Staatsbahnen deckten ihren Tenderlokbedarf lange Zeit durch den Umbau älterer Lokomotiven. Erst recht spät ging man an die Neubeschaffung von Tenderlokomotiven. Für den Streckendienst auf Nebenbahnen, dem Verschubdienst und zum Nachschieben auf Steigungsstrecken wurde ab 1892 die Gattung T3 beschafft. Das waren in ihrem Gesamtaufbau recht einfach gehaltene, dreifach gekuppelte Naßdampfmaschinen, die zunächst mit kleinen, jedoch ab 1898 mit bis zur Rauchkammer verlängerten Wasserkästen geliefert wurden. Insgesamt beschaffte die K.W.St.E. bis 1913 110 Lok dieser Bauart, weitere sechs Lok entstanden für die Industrie. Das Einsatzgebiet der T3 verteilte sich auf alle vier württembergischen Maschinenämter. Bei der Gründung der Deutschen Reichsbahn waren noch alle Lok im Einsatz. Im endgültigen Umzeichnungsplan für die ehemals württembergischen Lokomotiven vom 3. Juni 1925 wurden sie zur Baureihe 89.3-4 umgezeichnet. Kurz darauf begannen die ersten Ausmusterungen. Bis Mitte der dreißiger Jahre waren die meisten T3 nicht mehr im Bestand. Einige fanden bei Privatbahnen oder Industriebetrieben eine neues Betätigungsfeld.

Die SEH-Lok wurde am 12. Dezember 1912 von der Maschinenbau-Gesellschaft Heilbronn mit der Fabriknummer 595 an die K.W.St.E. geliefert, die ihr die Betriebsnummer 888 gaben. Die Inbetriebnahme soll erst am 14. Juli 1913 gewesen sein. Zunächst kam die Lok zur Betriebswerkstätte Friedrichshafen. Danach war die ab 1925 als 89 407 bezeichnete Lok den Rest ihrer Staatsbahnzeit in Stuttgart beheimatet. Nach einer Gesamtlaufleistung von nahezu 700 Tkm wird sie am 4. Januar 1936 beim Bw Stuttgart-Rosenstein ausgemustert. Seit dem 14. November 1935 befand sich die Lok allerdings zur Hauptuntersuchung im AW Friedrichshafen und wurde anschließend an die Württembergischen Nebenbahnen (WN) verkauft und erhielt dort die Nummer WN 6. Zumindest im Frühjahr 1940 war die Lok leihweise auf der WEG-Strecke Gaildorf-Untergröningen eingesetzt. Mit Standort Gaildorf konnte die Lok am 24. Mai 1940 vom Städtischen Gaswerk Stuttgart erworben werden. Bevor sie dort zum Einsatz kam, weilte sie zu einer umfangreichen Ausbesserung vom 15. August 1940 bis zum 18. August 1941 im Herstellerwerk Heilbronn. Als Gaswerk-Lok Nr. 3 blieb sie bis Ende der sechziger Jahre im Einsatz. Danach kam sie bei der EUROVAPOR als Museumslok zum Einsatz. Dieser Einsatz endete jedoch 1976, als durch eine grobe Fahrlässigkeit der nur unzureichend mit Wasser gefüllte Kessel angeheizt wurde und dabei die Feuerbüchse ausglühte. Die 89 407 wurde daraufhin als Denkmal im Bereich der Technischen Werke der Stadt Stuttgart öffentlich nicht zugänglich aufgestellt. Im Januar 2003 mußte die Lok ihren Standplatz räumen und kam so als eine der ganz wenigen erhaltenen württembergischen Lok in die Obhut des SEH. Hier soll sie in absehbarer Zeit optisch in ihren Ablieferungszustand zurückversetzt werden.