Einheits-Güterzugtenderlokomotive 80 014

 

Nach dem Zusammenschluss der Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn ging man auch recht schnell zur Entwicklung einheitlicher Lokomotivgattungen über. Basierend auf dieser Entwicklung entstand ein Typenprogramm, dessen Realisierung zum Jahreswechsel 1925/26 begann und zunächst die dringlich benötigten Gattungen vorzog. Die für den Rangierdienst entwickelten Gattungen mit 17,5t Achsdruck erschienen erstmals 1927. Als Muttertype für die Güterzugtenderlok galt die Baureihe 80, aus deren Entwurf alle anderen Gattungen dieser Gruppe abgeleitet wurden. Heute wissen wir, dass die Beschaffung nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, da der Rangierdienst, abgesehen von den neuen Diesellok, noch bis in die 70er-Jahre mit älteren Länderbahngattungen gut ausgekommen ist. Mit insgesamt 75 gebauten Einheits-Rangiertenderlok, verteilt auf vier Baureihen, blieben diese Lok in der Minderheit. Mit 39 gebauten Exemplaren hatte die Baureihe 80 noch den größten Anteil. Sie entstand zwischen 1927 und 1929 bei den Lokfabriken Hohenzollern, Jung, Union und Wolf. Die Erstbeheimatungen erfolgten in den Reichsbahndirektionen (RBD) Augsburg, Breslau, Frankfurt(Main), Halle, Hannover, Köln, Regensburg und Würzburg. Bei Kriegsende verblieben 17 Loks in den Westzonen, verteilt auf die Direktionen Hannover, Nürnberg, Regensburg und Saarbrücken. In der Ostzone zählte man die verbliebenen 22 Loks bei den Direktionen Halle und Magdeburg. Letzte Hochburgen für die Baureihe 80 waren bei der DB die Bw Ansbach und Schweinfurt und bei der DR der Großraum Leipzig. In beiden deutschen Ländern fand die BR 80 nach ihrer Ausmusterung ein weiteres Betätigungsfeld bei Privatbahnen und Industriebetrieben. Dieser Umstand bescherte uns den Erhalt von insgesamt sieben 80ern.

Unsere Lok wurde von der R. Wolf AG, Abteilung Lokfabrik Hagans in Erfurt unter der Fabriknummer 1228 im Jahre 1927 gebaut. Ihre Probefahrt absolvierte sie zwischen Erfurt und Neudietendorf am 11. Februar 1927. Dieser Tag war dann gleichzeitig der Tag der Endabnahme. Buchungsmäßig war sie bereits am Tag darauf im Bw Breslau Hbf beheimatet. Praktisch war dieses Ziel so kurzfristig nicht zu erreichen, zumal die Urkunde über die Genehmigung zur Indienststellung erst am 22. Februar 1927 ausgestellt wurde. Bis zum September 1932 blieb die Lok in Breslau Hbf und kam dann über das RAW Oels zum Bw Wesermünde-Lehe. Hier blieb 80 014 bis zum 2. November 1945, wechselte dann für gut ein Jahr zum Bw Bremen Hbf, ehe sie am 4. Dezember 1946 dem Bw Schweinfurt zugeteilt wurde. Nächste Heimatdienststelle war von Mai 1953 bis Mai 1955 das Bw Neuenmarkt-Wirsberg. Bis Oktober 1955 diente 80 014 im Bw Lichtenfels um dann ab dem 14. Oktober 1955 bei Bw Ansbach beheimatet zu sein. Hier endete ihr Staatsbahndienst mit der z-Stellung am 27. Juli 1959. Bereits am 8. Juli 1959 verfügte das BZA Minden den Verkauf an die Fa. Klöckner Bergbau, der am 10. Dezember 1959 vollzogen wurde. Vorher ging die Lok noch einmal zur Untersuchung zum AW Weiden. Nach einer Probefahrt am 2. Dezember 1959 erfolgte eine erneute Zulassung auf der Zechenbahn. Die neuen Anschriften lauteten: Klöckner-Werke AG Bergbau, Zeche Königsborn 2/5, Lok 5(in Zweitbesetzung). Diese Nummer wurde am 1. April 1971 in „Ruhrkohle AG D 721“ geändert. Ab dem 1. Januar 1972 kam sie bei der Zeche Heinrich-Robert in Pelkum zum Einsatz. Hier wurde die Lok im Juli abgestellt und an Ulrich Kroll in Essen verkauft.

Nach einer kurzen Zeit beim Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen wurde die nunmehr wieder als 80 014 bezeichnete Lok dem Engländer Dr. Beet für sein Museum Steamtown in Carnforth, Grafschaft Lancashire, überlassen. Im Dezember 1974 setzte 80 014 mit der Fähre nach England über. Ab 1980 weilte die 80 014 beider Nene-Valley Museumsbahn. Dort wurde sie 1985 für eine Hauptuntersuchung zerlegt. Der unerwartete Tod des Projektleiters verhinderte das Vorhaben. Anschließend wurde versucht, einzelne Komponenten bei verschiedenen Fachwerkstätten in Auftrag zu geben. Das hatte zur Folge, daß das Fahrwerk nach Holland kam. Zwischenzeitlich hatte sich der Eigentümer zu einer Leihweisen Überlassung der 80 014 zusammen mit der 01 1104 und der 231 K 22 an eine Schweizer Gruppierung entschieden. Dadurch wurde der Großteil der in Holland lagernden Teile nach Frankreich transportiert. Nachdem Dr. Beet an der Seriosität der Schweizer Gruppe begründete Zweifel hatte, entschied er, alle drei Lok in unsere Obhut zu geben. Somit konnten 1998 die wichtigsten Teile zunächst in einer Stuttgarter Firma zusammengetragen werden. Leider gingen während der langen Zerlegungsphase und den Transporten und Lagerungen sehr viele Teile verloren, die trotz Tauschbarkeit bei Einheitslokomotiven noch nicht alle wieder beschafft werden konnten. Nach ersten Restaurierungsarbeiten in Stuttgart konnte die Lok Anfang 2002 nach Heilbronn überführt werden. Hier erfolgte hauptsächlich durch zwei Mitarbeiter die Komplettierung zur museumsgerechten Präsentation, die 2004 ihren Abschluss finden wird.

Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn