Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn

Die Motorlok C XIV R

von Joachim Diehl

 

Die Lok stammt aus der Anfangszeit des Motorlokbaus in Deutschland. Schon früh war man bei den Eisenbahnen darauf bedacht, den Betrieb möglichst wirtschaftlich zu betreiben. Die bisher eingesetzten Dampflokomotiven erforderten einen hohen Zeit- und Personalaufwand. Vom Anheizen bis zur Inbetriebnahme vergingen mehrere Stunden. Umfangreiche Betriebsstoffe und Versorgungseinrichtungen mußten vorgehalten werden. Eine Motorlokomotive dagegen benötigte nur wenige Minuten um einsatzbereit zu sein und konnte zudem im Einmannbetrieb gefahren werden. Wirtschaftlich begünstigt wurde der Motorlokomotivbau damals auch durch das preiswert angebotene Rohbenzin und die staatliche Begünstigung des Spiritus.

Die Gasmotorenfabrik Deutz in Köln machte bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts erste Versuche, den Viertakt-Otto-Motor zum Antrieb von Lokomotiven zu verwenden. Eines der Hauptprobleme war die Kraftübertragung und die Getriebefrage. Bis 1904 hatte Deutz 135 Motorlokomotiven gebaut, 1907 waren es bereits 500. Großvolumige langsamlaufende Einzylindermotoren mit großen Schwungrädern trieben über Zahnradgetriebe und Ketten oder Kuppelstangen die Lokachsen an. Die Motoren konnten mit den verschiedensten flüssigen Brennstoffen wie z.B. Benzol, Petroleum, Benzin oder Spiritus betrieben werden. Neben Deutz gehörten inzwischen auch O&K Montania und die Motorenfabrik Oberursel zu den führenden Anbietern von Motorlokomotiven. 1921 bildete die Gasmotorenfabrik Deutz mit dem Konkurrenten Oberursel eine Interessengemeinschaft. Deutz verkaufte fortan auch Oberurseler Lokomotiven und baute teilweise Oberurseler Motoren in die eigenen Loks ein, bis Oberursel schließlich 1930 ganz in der Motorenfabrik Deutz AG aufging.

Im Jahre 1922, dem Baujahr unserer Lokomotive, umfaßte das Lieferprogramm von Deutz verschiedene Motorlokomotiven mit einer Leistung von 4 - 70 PS in unterschiedlichen Ausführungen und Spurweiten. In der Weiterentwicklung wurden ab 1925 erstmals Dieselmotoren zum Antrieb verwendet. In den dreißiger Jahren entwickelten sich daraus dann die bekannten Einheitskleinloks „Kö“ und später „Köf“ der Deutschen Reichsbahn, die auch in der Sammlung des Eisenbahnmuseums vertreten sind.

Diese Lok wurde am 7.10.1922 an eine Metallhandlung Rosenfeld & Co in Karlsruhe ausgeliefert. Später, mindestens seit 1957, war sie bei dem Furnierwerk Georg Hartmann, der späteren Küchenmöbelfabrik Becker KG, in Berghausen eingesetzt. Sie bediente das vom Bf Berghausen/Baden ausgehende  firmeneigene Anschlußgleis mit einer 5 m Drehscheibe und vier abgehenden Ladegleisen. Das Furnierwerk bezog Tropenholz aus Afrika, das im Hafen Germersheim auf die DB umgeladen wurde. Die Werklok holte die Langholzwagen vom DB-Bahnhof ins Werk, wo die Stämme in den sogenannten „Dampfbäcker“ kamen, um anschließend zu Furnier verarbeitet zu werden. Später wurde das Holz fertig bearbeitet aus Afrika geliefert. Zur Abholung der Wagen war die Lok von der Bundesbahndirektion Karlsruhe unter der Nr. 124 auf den Gleisen 3 und 4 des Bahnhofs Berghausen/Bd zugelassen. Die letzte Untersuchung erfolgte 1973, kurz darauf wurde die Lok abgestellt.

1977 konnte sie von der Arbeitsgemeinschaft Historische Eisenbahn e.V. vor der Verschrottung gerettet werden. Leider wurde die Lok aber nicht entsprechend ihrem historischen Wert behandelt und erhalten. Da es bereits in Berghausen keinen Lokschuppen gab, hatte die Witterung der Lok schon jahrzehntelang zugesetzt. Schon in den 50er Jahren mußte angeordnet werden, das Führerhaus zu sichern, da es aufgrund von Korrosion auseinander zu fallen drohte. Auch das alte Getriebe von 1922 war nur notdürftig repariert und hat durch unsachgemäße Bedienung die Probefahrt der Museumsbahn nicht ohne weiteren Schaden überstanden. 1994 sollte die inzwischen sehr desolate Lok ins Ausland verkauft werden. Ein ursprünglich aus Karlsruhe stammendes Vereinsmitglied verhinderte dies, erwarb die Maschine und begann mit den wichtigsten Sicherungsmaßnahmen. Eine komplette Aufarbeitung war allerdings unter den widrigen Bedingungen vor Ort nicht möglich. Anfang 2002 wurde die Lok vom Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Heilbronn erworben und kam damit wieder in die Nähe ihres ursprünglichen Einsatzortes.

Die Lok ist die einzige museal erhaltene dieses 25 PS-Typs. Sie besitzt als Besonderheit eine Seil-Spillanlage. Mit ihr konnten z.B. auf engen Fabrikhöfen Waggons per Seilzug im rechten Winkel auf kleine Waggondrehscheiben gezogen werden. Der Motor von 1922 ist heute leider nicht mehr vorhanden. Es war ein Viertakt-Otto-Motor mit Verdampfungskühlung und Magnetzündung. Der Motor vom Typ E12 hatte die Motor-Nr. 116470 und leistete 25 PS. Er hatte 300 mm Hub, 220 mm Zyl. , die Motordrehzahl betrug lediglich 180-300 U/Min.. Der Motor konnte mit Benzol, Petroleum, Benzin oder Spiritus betrieben werden.

Der Originalmotor wurde im Krieg zunächst durch einen wassergekühlten MWM-Dieselmotor von 1940 mit 18 PS ersetzt. Dabei wurde der Originalmotor zwischen Zylinder und Kurbelwelle auseinandergebrannt und Kurbelwelle und Motorschwungräder in der Lok belassen. In den 60er Jahren wurde der heutige luftgekühlte Deutz-Dieselmotor vom Typ A3L514 eingebaut. Dafür mußte auf der linken Motorvorbauseite ein Lüftungsgitter eingebaut werden. Der Antrieb erfolgt über Keilriemen auf eines der großen Motorschwungräder des Originalmotors von 1922. Die Kraftübertragung erfolgt über die ehemalige Kurbelwelle auf das alte Originalgetriebe.

Trotz intensiver Suche konnten bis heute leider keine Fotos gefunden werden, welche die Lok in Berghausen oder Karlsruhe noch im Einsatz zeigen.