Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn

Die preußische T 91 „7294 Cöln“

 

Die vereinzelt in preußischen Regionen beschafften C 1-Lokomotiven, hauptsächlich die Bauarten Elberfeld und Langenschwalbach, waren zunächst speziell für besondere Einsatzstrecken entstanden. Als es Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts allgemein zu einer Steigerung des Güterverkehrs kam, sah sich auch die Preußische Staatsbahn zur Entwicklung einer ¾-gekuppelten Tenderlok genötigt. Im Abstand von wenigen Wochen kamen zum Jahreswechsel 1892/93 zu Vergleichszwecken von Borsig in Berlin eine C1´n2t und von Union in Königsberg eine 1´Cn2t zur Auslieferung. Später unterschied man sie in die Gattungen T 91 und T 92. Über die Bewährung der T 91 liegen recht unterschiedliche Angaben vor. Auffällig dabei ist, daß die Urteile über die Lok aus praxisnaher Sicht immer besser waren und gerade Zuverlässigkeit und Laufruhe gelobt wurden. Nicht umsonst wurde die Bauart in die Normalien aufgenommen und weiterbeschafft. Für die T 91 galt das Musterblatt III-4f.

Bis zum Jahre 1901 nahm die Königlich Preußische Eisenbahn-Verwaltung (KPEV) insgesamt 420 Lokomotiven dieser Bauart in Betrieb. Neben Borsig beteiligten sich auch die Lokfabriken Grafenstaden, Hanomag, Henschel, Hohenzollern, Schichau und Union am Bau der T 91, die in allen zwanzig Direktionen der KPEV zum Einsatz kamen. Weitere fünfzehn bauartgleiche Lok gingen an deutsche Privatbahnen und auch die Schantungbahn im deutschen Pachtgebiet Kiautschou in China erhielt sechs Lok zugeteilt. Bis zum ersten Weltkrieg blieb der Bestand weitgehend unverändert. Durch Verstaatlichung der Cronberger Eisenbahn kamen die fünf vorhandenen T 91 zur KPEV.Kriegsereignisse und die anschließenden Waffenstillstandsabgaben brachten den Verlust von mehr als 50 Lokomotiven, die in Belgien, Frankreich, Polen und dem Saargebiet verblieben. Im vorläufigen, jedoch nie zur Anwendung gekommenen Umzeichnungsplan der Deutschen Reichsbahn von 1923 waren noch 323 T91erfaßt, von denen im endgültigen Umzeichnungsplan für die preußisch-hessischen Güterzugtenderlokomotiven vom 28. Februar 1926 unter Berücksichtigung der falsch nummerierten Lok schließlich 232 Lok zur Baureihe 90 umgezeichnet wurden. Da jedoch die Ausmusterungen weitergingen, kann man mit Sicherheit davon ausgehen,daß nicht mehr alle Lok auch die neue Nummer trugen. Bis zum Jahresende 1932 war nur noch eine Lok in Betrieb, die dann im März 1933 ausgemustert wurde. Viele T91 kamen aber durch Verkäufe bei Privat- und Werkbahnen zum Teil noch für Jahrzehnte zum Einsatz. Doch auch bei der Reichsbahn kehrte die Baureihe 90 noch einmal zurück. Zunächst 1935 durch die Wiedereingliederung des Saargebiets, dann 1938 durch die Verstaatlichung der Lübeck-Büchener Eisenbahn und schließlich in Folge der Kriegsereignisse. Nach Kriegsende waren in den Westzonen acht Lok aufgefunden worden, die bis 1950 verkauft oder ausgemustert wurden. In der Ostzone zählte man sechs Lok, die bis 1955 bei der DR ausschieden.

Unsere T91 wurde 1992 durch das Raw Meiningen unter Verwendung von Teilen zweier Lok neu aufgebaut. Die nummergebende Lok wurde im Jahre 1895 von der Lokfabrik Hohenzollern unter der Fabriknummer 850 an die Direktion Cöln der KPEV geliefert. Zunächst trug sie die Betriebsnummer „1857 Cöln“, die dann bei der Umzeichnung 1905/06 in „7294 Cöln“ geändert wurde. Bis zu ihrer Ausmusterung im Jahre 1926, in dem sie noch die neue Reichsbahnnummer 90 042 erhalten sollte, stand sie in der Direktion Cöln im Einsatz. Danach wurde sie bis 1972 als Lok 2 bei der Zeche Carl-Alexander in Baesweiler eingesetzt, ehe sie durch den Verein Braunschweiger Verkehrsfreunde (VBV) erworben wurde, aber bis 1992 abgestellt blieb. Die zweite Spenderlok war zugleich die letztgebaute T91, die 1913 von Henschel unter der Fabriknummer 12478 an die Kleinbahn Höchst-Königstein geliefert wurde. Da die ab 1928 als Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn firmierende Bahn bis heute nicht verstaatlicht wurde, trug auch die Lok nie eine Staatsbahnnummer. Zunächst als Lok 6 bezeichnet, erhielt sie später die Betriebsnummer 4 und ab 1957 schließlich die Betriebsnummer 44 zugeteilt, unter der sie 1964 ausgemustert wurde. Lange Zeit stand sie dann als Spielplatzlok in Hattersheim, ehe sie ebenfalls für den VBV erworben werden konnte.

Nach der Aufarbeitung in Meiningen wurde die neu entstandene Lok für eine Untersuchungsperiode eingesetzt und lief dabei vornehmlich im Braunschweiger Raum etwa 14000 km. Danach blieb sie abgestellt und wurde schließlich 2003 zum Verkauf ausgeschrieben. Die verbliebenen Teile der zweiten Lok lagern heute zum Teil beim VBV in Braunschweig, wurden verkauft und verschrottet.

Das SEH konnte die Lok erwerben und überführte sie zusammen mit anderen Fahrzeugen vom 5. bis 7. Juni 2004 nach Heilbronn. Hier wird die Lok erneut eine Hauptuntersuchung erhalten, bei der gleichzeitig auch die während Aufarbeitung 1992 begangenen Fehler in der historischen Originalität weitgehend ausgeglichen werden sollen.