Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn

Zweiachsiger II.-Kl.-Personenwagen Nr. 1234 der Gruppe 85b der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen

 

Geschichte

Dieser Wagen zählt zu den modernen, in den Jahren kurz vor dem ersten Weltkrieg gebauten zweiachsigen badischen Durchgangswagen. Neben gemischten II./III.Kl.-Wagen und reinen III.-Kl.-Wagen wurden ab 1912 auch reine II.-Kl.-Wagen beschafft. Nach der in Baden üblichen Einreihung erhielten diese II.-Kl.-Wagen eine Einteilung zur Gruppe 85b und die Betriebsnummern 1200 bis 1236 zugeteilt. Zunächst wurden 1912 von der Waggonfabrik Rastatt zwölf Wagen geliefert, denen 1913 zehn und 1914 weitere fünf folgten. Die letzte Serie kam 1915 von Fuchs in Heidelberg mit nochmals sechs Wagen im Jahr 1915. Kriegsbedingt kam es zu keinen weiteren Lieferungen. Unser Wagen entstammt der letzten Serie und erhielt die Betriebsnummer 1234. Er wurde in den 70er Jahren in Polen aufgefunden, nach Deutschland zurückgeholt und blieb aber fast nur abgestellt. Seine Einsatzgeschichte ist nur schwer nachvollziehbar. Zumindest blieb er 1919 von einer Abgabe an die Entente verschont, die von der Gruppe 85b fünf Wagen betraf. Bei der Deutschen Reichsbahn lief er dann als „Bi bad 12“ nach Blatt 38. Seine neue Betriebsnummer „36 086 Karlsruhe“ und nach der Umzeichnung 1930 „29 975 Karlsruhe“. Vermutlich im 2. Weltkrieg hat es ihn in die Gebiete geführt, die später Polen wurden. Die anderen Wagen der Gruppe versahen ihren Dienst bei der Deutschen Reichsbahn und hielten sich zumeist bis in die 50er Jahre. Die letzten beiden Wagen wurden 1960 ausgemustert. Als Heimatbahnhöfe der Gruppe 85b-Wagen sind Basel, Heidelberg, Karlsruhe, Neckarelz, Offenburg und Villingen bekannt.

Beschreibung der Bauart

Der Wagen hat einen eisernen, 12630mm langen Rahmen mit Sprengwerk. Der Achsstand beträgt 8500mm und die LüP 13930mm. Der 3000mm breite Wagenkasten ist hölzerner Bauart und blechverkleidet. Der Zustieg erfolgt über Endplattformen. Die Aufteilung trennt den Wagen in zwei unterschiedliche Abteilräume, die aus zwei bzw. drei Abteilen mit Mittelgang bestehen und insgesamt 40 Sitzplätze bieten. Die Abteilfenster mit Metallrahmen und Gewichtsausgleich haben eine Breite von 1000mm. Zwischen den Abteilen ist der Waschraum und der Abort untergebracht. Das Dach entspricht als Korbbogendach der typischen badischen Form jener Zeit, ebenso wie die Bühnengeländer und die Schutzstangen. Die Beleuchtung erfolgte durch insgesamt acht Gaslampen, deren Vorrat unter dem Wagenboden angebracht war und für etwa 26 Brennstunden reichte. Der Belüftung dienten über jedem Abteil und dem Abort ein Torpedolüfter. Beheizt wurde der Wagen mit Dampf. 

Aufarbeitung

Ziel ist es, den Wagen weitgehend in seinem Ursprungszustand zurückzuversetzen und ihn gleichzeitig, den heutigen Vorschriften angepaßt, betriebsfähig aufzuarbeiten. Beachtenswert ist, daß wir in der Substanz weitgehend auf die alte II.-Kl.-Ausstattung der Badischen Staatsbahn zurückgreifen können, wenn auch die Stoffbezüge von der PKP erneuert wurden. Diese zählt somit zu den ganz wenigen erhaltenen Ausstattungen der ehemaligen deutschen Länderbahnen.

Neben den üblichen technischen Aufarbeitungen an Rahmen, Fahrwerk, Bremse, Zug- und Stoßeinrichtungen und Wagenkasten werden noch viele Detailaufgaben auf uns zukommen. Hierzu zähle ich die Umrüstung auf elektrische Beleuchtung, die Ausrüstung mit optisch richtigen und auf elektrisch adaptierten Lampen, die Anfertigung korrekter Bühnengeländer, Sperrgitter und Dachstützen und die Ausrüstung mit Torpedolüftern. Ebenso wünschenswert ist die Ausrüstung mit Speichenradsätzen und badischen Achslagern. Eine korrekte Lackierung, Beschilderung und Beschriftung sollen den Gesamteindruck vervollständigen.