Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn

Samstag 06. auf Sonntag 07.12.2003

Mit 50 3031 auf der Autobahn durch die Nacht

 

In der Nacht vom 06.12.2003 auf den 07.12.2003 fand mit dem wahrscheinlich spektakulärsten Transport eines Fahrzeugs in der Geschichte unseres Vereins die Güterzugdampflokomotive 50 3031 ihren Weg in das Süddeutsche Eisenbahnmuseum in Heilbronn.

Da die Lokomotive als Denkmal an ihrem bisherigen Standort auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs in Linde bei Overath keinen Gleisanschluss mehr besaß, musste sie per Straßentieflader abtransportiert werden. Die anfängliche Überlegung war, sie dann auf einem nahe gelegenen Bahnhof wieder aufzugleisen und auf der Schiene nach Heilbronn zu bringen. Die immensen Kosten, die mit einem Schienentransport verbunden gewesen wären und der relativ schlechte Zustand der Lok in Folge der langen Standzeit im Freien ließen dies jedoch nicht zu. Auf dem Gelände gab es zwar drei Landschaftsgärtner, die regelmäßig das Laub vom Rasen bliesen, um die Lok hatte sich aber niemand gekümmert, dementsprechend war ihr Zustand. Also wurde entschieden, die Lok auf der Straße nach Heilbronn zu bringen und dort abzuladen.

Am 06.12.2003 war es dann soweit. 50 3031 wurde mit einem 400-Tonnen Autokran auf zwei Kesselbrücken (Lok und Tender) verladen und an ihrer Stelle die Dieringhausener 50 3680 als „Ersatzlok“ aufgestellt. Des Weiteren verließen eine kleine Deutz-Diesellokomotive und ein Donnerbüchs-Packwagen das Gelände in Linde in Richtung Heilbronn bzw. Dieringhausen.

Nun stand 50 3031 in der Ortsausfahrt Linde und wartete auf ihre für 20 Uhr angesetzte Abreise in ihre neue Heimat, die Kesselbrücke mit dem Tender war bereits losgefahren und würde den Transport an der ersten Autobahnraststätte komplettieren.

Und so ging es durch die Nacht. Gegen 03:30 Uhr erreichten wir die Autobahnausfahrt Untereisesheim, ab jetzt war es nur noch ein Katzensprung zum geplanten Abstellort des Transports bei unserer Wagenhalle. Am Ende der Ausfahrt warteten zwei Fahrzeuge der Heilbronner Polizei, um uns nach Böckingen zu begleiten. Der Einsatzleiter fragte, wo wir denn jetzt überhaupt hinwollten. Ich erklärte ihm unsere Planung und mit kritischem Blick meinte er: „Na ja, schauen wir mal, ob das was wird.“ Und weiter ging es. In Böckingen wurde es dann spannend: Würden die Kesselbrücken um die Kurven kommen? Sie schafften es, ohne Probleme meisterten die Fahrer die teilweise doch recht engen Straßen. Als wir gerade den Bahnübergang am Sonnenbrunnen überquerten kam plötzlich der Einsatzleiter der Polizei auf die Zugmaschine zu gerannt, klopfte an die Scheibe und bat mich, mit ihm mit zu kommen. In seinem Wagen fragte er mich dann, ob es wirklich mein Ernst sei, dass wir die Kesselbrücken bei der Wagenhalle abstellen wollten. Er hatte starke Zweifel daran, dass wir das letzte Stück schaffen würden und wollte uns umleiten, da er keine Verantwortung dafür übernehmen wollte, wenn wir stecken bleiben würden. Ich versicherte ihm, dass ein Sachverständiger sich alles angeschaut und die Aktion für durchführbar erklärt hatte, doch er ließ sich nicht überzeugen. Nach fünf Minuten des Diskutierens ließ er uns mit einem „Macht doch was ihr wollt, auf mich hört doch hier sowieso niemand“ endlich weitermachen. Und siehe da: Nach weiteren fünf Minuten hatten die Kesselbrücken ohne irgendwelche Probleme ihre Abstellplätze gefunden, die Uhr zeigte genau 04:00 Uhr.

Nach einer viel zu kurzen Nacht war dann Sonntagmorgen um Acht die Zeit gekommen, die Lok abzuladen. Die beiden Kräne hoben sie aus der Kesselbrücke und setzen sie auf die Schienen. Doch das Gleis lag in einer Kurve und so gestaltete sich das Aufgleisen zu einem wahren Kampf mit jeder der 84 Tonnen Lokgewicht bis endlich alle sechs Achsen in der Spur waren. Zum ersten Mal seit 29 Jahren beheimatet das BW Heilbronn nun wieder eine DB-50. Doch nun kam ein anderes Problem auf, nämlich das, die Lokomotive auf das Gelände des SEH zu ziehen. Der Versuch mit einer Köf scheiterte kläglich und auch mit zwei Köfs bewegte sich 50 3031 nur sehr widerwillig, man bekam fast den Eindruck, sie hätte Angst vor ihrem neuen Zuhause. Doch alle Widerspenstigkeit half nichts und schon bald stand sie auf der Drehscheibe um einige Ehrenrunde zu drehen. Nachdem auch der Tender aufgegleist und auf das Gelände gezogen worden war, nahm sie dann ihren vorläufigen Standplatz vor den Übernachtungswagen ein, wo dann auch sofort mit ihrer Aufarbeitung begonnen wurde.

 

Mittlerweile hat 50 3031 ihren Standplatz geändert und steht nun direkt neben dem Holzlager, wo ihre Aufarbeitung weiter vorwärts geht. Mittlerweile hat sie übrigens ihren Meister in der MaK 800 011 gefunden, die mit ihren 800 PS wohl die richtigen Argumente hat um sie in Bewegung zu setzen.

Und wer weiß, vielleicht beherbergt das Bw Heilbronn ja irgendwann auch wieder eine betriebsfähige 50er? Ich wünsche 50 3031 auf jeden Fall alles Gute und ein langes Lokomotivleben.